Widerstand statt Heldengeschichten
Through the Darkest of Times ist kein gewöhnliches Computerspiel. Entwickelt vom Berliner Studio Paintbucket Games, nimmt es die Spielerinnen und Spieler mit in die Zeit des Nationalsozialismus. Statt glorreicher Schlachten oder heroischer Heldentaten steht hier der Widerstand im Mittelpunkt – klein, gefährlich und oft unscheinbar. Damit wagt das Spiel etwas, das viele andere Titel scheuen: Es verbindet Unterhaltung mit einer ernsten, historischen Thematik und stellt moralische Entscheidungen in den Vordergrund.
Kleine Schritte, große Risiken
Die Handlung beginnt 1933, mit Hitlers Machtübernahme. Die Spielenden übernehmen die Rolle einer Widerstandsgruppe in Berlin, die versucht, Flugblätter zu verteilen, Informationen zu sammeln oder kleine Sabotageakte zu begehen. Dabei muss man Ressourcen wie Geld, Material und vor allem die Fähigkeiten und die Sicherheit der Gruppenmitglieder im Blick behalten.
Die Spielmechanik ist rundenbasiert und erinnert an eine Mischung aus Strategie- und Abenteuerspiel. Entscheidungen wirken sich auf den weiteren Verlauf aus, und immer wieder steht man vor Dilemmata: Risiko eingehen und potenziell erwischt werden – oder klein bleiben und die Wirkung einschränken? Diese Spannung macht den Reiz des Spiels aus und sorgt für intensive Spielerfahrungen.

Ein bedrückend realistischer Blick auf den Nationalsozialismus
Historisch bewegt sich Through the Darkest of Times auf einem sensiblen Terrain. Das Spiel macht keine falschen Versprechen: Es zeigt nicht den großen Sturz des Regimes, sondern die Realität vieler kleiner, oft verzweifelter Widerstandsaktionen. Dabei vermittelt es eindrücklich, wie gefährlich jede Form von Opposition war und wie schnell Menschen in das Visier der Gestapo geraten konnten.
Das Spiel verzichtet bewusst auf spektakuläre Inszenierungen und hält sich eng an historische Fakten, die durch eingeblendete Zeitungsberichte und historische Ereignisse vermittelt werden. Gerade diese Nüchternheit sorgt dafür, dass man das Geschehen nicht verklärt, sondern bedrückend realistisch wahrnimmt. Aus diesem Grund ist es im Spiel auch nicht möglich, den Verlauf der Geschichte bedeutend zu verändern, sondern lediglich im Kleinen etwas zu bewirken.
Chancen und Grenzen im Unterricht
Für den Geschichtsunterricht bietet Through the Darkest of Times spannende Ansatzpunkte. Schülerinnen und Schüler können nicht nur in die Rolle von Widerstandskämpferinnen und -kämpfern schlüpfen, sondern auch die Alltagsängste und moralischen Dilemmata dieser Zeit nachempfinden.
Das Spiel eröffnet Gesprächsanlässe über Widerstand, Mitläufertum und Verantwortung. Es macht Geschichte erfahrbar, ohne dabei ins Banale abzurutschen. Dennoch sollte es im Unterricht immer von einer reflektierenden Begleitung durch die Lehrkraft ergänzt werden – auch für die Einordnung. Die Gefahr besteht sonst, dass die Spielmechanik stärker im Vordergrund steht als die historische Botschaft. Auch die grafische Gestaltung im Comic-Stil kann polarisieren – sie ist schlicht und reduziert, passt aber gut zum ernsten Thema.
Ein Spiel, das bewegt
Through the Darkest of Times ist ein mutiges Spiel, das zeigt, wie digitale Medien zur Vermittlung von Geschichte beitragen können. Es macht die Brutalität und Allgegenwärtigkeit des NS-Regimes erfahrbar, ohne Gewalt zu verherrlichen. Trotz kleiner Schwächen – etwa der manchmal eintönigen Spielmechanik – überwiegt der Mehrwert deutlich.
Für Geschichtslehrkräfte ist es ein spannendes Instrument, um den Unterricht zu bereichern, Diskussionen anzuregen und Schüler:innen einen emotionalen Zugang zu einem komplexen Thema zu ermöglichen. Auch außerhalb des Klassenzimmers lohnt sich ein Blick: Wer Geschichte einmal nicht nur lesen, sondern durchspielen möchte, findet hier ein intensives und bewegendes Erlebnis.
Through The Darkest of Times ist erhältlich für Nintendo Switch, PlayStation 4, Xbox One, Microsoft Windows, Mac, iOS und Android.